Konzept
Wir bieten jungen Erwachsenen (Careleavern) ein Zuhause auf Zeit – und ein Fundament für die Zukunft.
Der Übergang in die Selbstständigkeit ist anspruchsvoll, gerade für Menschen, die aus der Jugendhilfe kommen. Unsere Häuser bieten Sicherheit, Orientierung und pädagogische Begleitung – so lange wie nötig, so selbstbestimmt wie möglich.
Wer sind Careleaver ?
Als Careleaver bezeichnet man junge Menschen, die die stationäre Jugendhilfe verlassen und den Übergang in ein selbstständiges Leben meistern müssen. Der Begriff kommt aus dem Englischen und beschreibt Personen, die aus der öffentlichen Fürsorge „herauswachsen“ – unabhängig vom genauen Alter.
Das Careleaver-Angebot
Die Junge Zukunft unterstützt junge Volljährige ab 18 Jahren in einer entscheidenden Lebensphase: dem Übergang aus der Jugendhilfe in ein selbstständiges, verantwortungsvolles Leben.
Mit maßgeschneiderten pädagogischen Konzepten, ambulanter Einzelbetreuung und modernen, wohnlichen Lebensformen schaffen wir einen sicheren Raum für Entwicklung, Orientierung und echte Teilhabe. Unsere Arbeit ist individuell, wertschätzend und lösungsorientiert – und sie beginnt immer mit der Frage: Was brauchst du, um deine Zukunft selbst zu gestalten?
In unseren Häusern fördern wir:
- den Aufbau von Alltagskompetenz und Eigenverantwortung,
- schulische und berufliche Integration,
- soziale Stabilität und psychische Stärkung,
- sowie das Erreichen eines langfristigen Ziels: ein Leben in der eigenen Wohnung – aus eigener Kraft.
Junge Zukunft heißt für uns: zuhören, fördern, ermutigen – und Raum geben, sich selbst zu finden.
Was unsere Arbeit auszeichnet
Unsere Unterstützung folgt einem klaren Zielplan, der vier zentrale Entwicklungsfelder umfasst:
Eigenverantwortliche Lebensführung
Vermittlung von Alltagskompetenzen wie Haushaltsführung, Gesundheitsfürsorge, Budgetplanung, persönliche Organisation und selbstständiger Umgang mit Behörden.
Berufliche Orientierung und Integration
Unterstützung bei der Ausbildungs- und Arbeitssuche, Bewerbungscoaching, Kontaktvermittlung zu Jobcentern oder Bildungsträgern, ggf. Begleitung beim Nachholen von Schulabschlüssen.
Soziale und emotionale Stabilisierung
Aufbau tragfähiger Beziehungen, Förderung von Resilienz und Selbstvertrauen, individuelle Gespräche zur Klärung persönlicher Themen sowie professionelle Unterstützung in Krisen.
Gesellschaftliche Teilhabe und Mitverantwortung
Förderung der aktiven Teilnahme an sozialen, sportlichen oder kulturellen Angeboten sowie Mitwirkung an Entscheidungsprozessen und alltäglichen Aufgaben innerhalb des Wohnumfelds.
Bedarf & Zielgruppe – Careleaver in Berlin
Careleaver im Alter von 18 – 21 Jahren
Viele junge Menschen verlassen mit 18 Jahren die stationäre Jugendhilfe, obwohl sie in dieser Lebensphase weiterhin intensive Unterstützung brauchen. Ausbildung oder Schule sind oft noch nicht abgeschlossen, und die angespannte Wohnraumsituation in Berlin führt dazu, dass Careleaver schnell von Wohnungslosigkeit bedroht sind.
Auch volljährige unbegleitete Minderjährige (UMAs), die nach dem 18. Geburtstag aus der Jugendhilfe herausfallen, stehen vor zusätzlichen Herausforderungen: Sie müssen sich in einem neuen Land orientieren, die deutsche Sprache erlernen und sich sozial wie beruflich integrieren.
Deshalb richtet sich unser Angebot an Careleaver im Alter von 18 bis 21 Jahren – in Einzelfällen auch ab 16. Für viele junge Erwachsene ist eine Begleitung bis mindestens zum 21. Lebensjahr notwendig und sinnvoll.
Warum unsere Angebote? – Unterstützung ohne 24/7-Betreuung
Die jungen Menschen unserer Zielgruppe benötigen keine durchgängige Rund-um-die-Uhr-Betreuung mehr. Dennoch brauchen sie weiterhin verlässliche Unterstützung, um ihren Alltag zu strukturieren und ihren Weg in ein selbstständiges Leben zu finden.
In unseren Häusern in Berlin sind qualifizierte Sozialarbeiter:innen von Montag bis Samstag erreichbar und begleiten in folgenden Bereichen:
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Alltagsbewältigung
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Ausbildungs- und Schulthemen
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Orientierung im Hilfesystem
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persönliche und soziale Entwicklung
Unser Betreuungskonzept verbindet Eigenständigkeit mit der Sicherheit, jederzeit auf professionelle Unterstützung zurückgreifen zu können. So gelingt jungen Erwachsenen der Übergang aus der Jugendhilfe in ein eigenverantwortliches Leben – ohne Systembruch.
4 Phasen auf dem Weg in die Selbstständigkeit
Phase 0 – Ankommen & Orientierung („Clearingleaver“)
Ziel: Sprachkompetenz und Grundlagen für die Teilhabe schaffen
Diese Einstiegsphase richtet sich v. a. an junge Geflüchtete oder neu zugewiesene Careleaver mit geringen Sprachkenntnissen.
Unser Fokus:
- Erwerb von Deutschkenntnissen auf B1-Niveau (z. B. über VHS, Jobcenter, Alphabetisierungskurse, Willkommensklassen)
- Grundlagen der Alltagsbewältigung in Deutschland (Behörden, Gesundheit, Wohnen, Mobilität)
- Stabilisierung nach Flucht oder Krisenerfahrungen
- Klärung von Status, Perspektiven & Bildungsweg
Phase 1: Schulischer Abschluss
Viele junge Erwachsene haben keinen (oder keinen in Deutschland) anerkannten Schulabschluss. In dieser Phase unterstützen wir sie beim Nachholen eines realistischen Abschlusses.
Unser Fokus:
- Anmeldung und Begleitung bei Schulformen für Erwachsene
- Unterstützung beim Lernen, Zeitmanagement & Motivation
- Verbindung zu Nachhilfeangeboten und Lern-Coaches
Phase 2 – Berufliche Orientierung & Ausbildung
Nach dem Schulabschluss beginnt die Phase der Ausbildungsplatzsuche oder Qualifizierung.
Fokus:
- Teilnahme am Berufscoaching
- Erstellung von Bewerbungsunterlagen, Training von Vorstellungsgesprächen
- Vermittlung in Praktika, Ausbildungs- oder Maßnahmenplätze
- Enge Abstimmung mit Jobcenter, Agentur für Arbeit und Ausbildungsträgern
Phase 3 – Wohnen lernen & neue Wege gehen
In dieser Abschlussphase bereiten wir die jungen Menschen gezielt auf das Leben in einer eigenen Wohnung vor.
Fokus:
- Teilnahme am Wohnführerschein mit anerkanntem Zertifikat
- Begleitung bei der Wohnungssuche (ggf. auch außerhalb Berlins)
- Schulung in Haushaltsführung, Mietrecht, Energieeffizienz
- Unterstützung bei Behörden, Verträgen & Umzug
Warum das Careleaver-Angebot hier eine Lücke schließt
01. Gezieltes Übungsfeld
Die Bewohner:innen erlernen in einer realitätsnahen Umgebung, eigenverantwortlich zu handeln, während sie weiterhin Rückhalt durch Fachkräfte haben.
02. Ausreichend Unterstützung
Sozialarbeiter:innen sind regelmäßig vor Ort, um bei Bedarf zu beraten und Probleme frühzeitig abzufangen.
03. Berufliche Orientierung & Ausbildung
Das Angebot schafft Zeit und Raum, um schulische oder berufliche Abschlüsse zu erlangen und sich langfristig im Arbeitsmarkt zu verankern.
04. Wohnungsmarktvorbereitung
Unterstützung bei der Wohnungssuche, Behördengängen und ggf. der Orientierung in kleinere Städte, wenn dort bessere Perspektiven bestehen.
05. Vermeidung von Obdachlosigkeit
Junge Menschen, die in stationären Einrichtungen nicht mehr angemessen betreut werden können, finden hier eine passgenaue und kostengünstigere Alternative, statt ohne jede Stütze in den regulären Wohnungsmarkt entlassen zu werden.