Zwischen Anspruch und Realität: Was junge Menschen nach der Jugendhilfe wirklich brauchen
Im Deutschen Bundestag wurde zuletzt erneut über die Situation von Careleaver*innen diskutiert, also jungen Menschen, die aus der Jugendhilfe heraus den Schritt in ein eigenständiges Leben bewältigen müssen (vgl. Deutscher Bundestag).
Der Übergang: Ein System mit Bruchstellen
Im Mittelpunkt steht dabei eine Frage: Wie gelingt der Übergang ins Erwachsenenleben für junge Menschen ohne familiären Rückhalt?
Die Herausforderungen sind erheblich. Eine eigene Wohnung muss organisiert werden, die Finanzierung über Bürgergeld oder andere Leistungen muss geklärt werden, der Alltag strukturiert, Ausbildung oder Arbeit gesichert werden. Gleichzeitig fehlt häufig ein stabiles soziales Netz, das in dieser Phase auffangen kann.
Zwar existieren Unterstützungsangebote, doch deren Umfang ist in vielen Fällen nicht ausreichend. Häufig bewegen sich die Hilfen im Bereich von etwa vier bis sechs Fachleistungsstunden pro Woche. Aus unserer Sicht und Erfahrung ist das zu wenig, um einen stabilen Übergang zu ermöglichen. In diesem Umfang bleibt kaum Raum für tragfähige Beziehungsarbeit, flexible Krisenintervention oder eine intensive Begleitung bei komplexen Themen wie Behördenprozessen, Schuldenregulierung oder Ausbildungsfragen.
Viele junge Menschen scheitern nicht an fehlender Motivation oder Fähigkeit, sondern an unzureichenden Rahmenbedingungen. Genau an dieser Stelle setzt die Arbeit der Junge Zukunft gGmbH an.
Unser Ansatz bei Junge Zukunft
Wir arbeiten bewusst mit einem deutlich höheren Stundenumfang von etwa 8,5 bis 10 Fachleistungsstunden pro Woche. Dieser Ansatz ermöglicht eine engmaschige Begleitung, verlässliche Beziehungen und die notwendige Flexibilität, um auf individuelle Lebenssituationen reagieren zu können.
Darüber hinaus geht unser Ansatz über die reine sozialpädagogische Begleitung hinaus.
- Wir stellen Wohnraum zur Verfügung,
- richten die Wohnungen auf unsere Kosten aus und schaffen damit von Beginn an stabile Lebensverhältnisse.
- Ein weiterer zentraler Aspekt ist, dass wir in Vorleistung gehen. Die Anbindung an existenzsichernde Leistungen wie Bürgergeld oder andere Sozialleistungen ist in der Praxis häufig mit zeitlichen Verzögerungen verbunden. In dieser Phase entstehen erhebliche Risiken, etwa durch fehlende finanzielle Mittel oder instabile Wohnsituationen. Diese Lücke überbrücken wir gezielt mit zinsfreien Darlehen, um Kontinuität und Sicherheit zu gewährleisten.
Die aktuelle Diskussion im Bundestag zeigt, dass der Handlungsbedarf erkannt ist. Gleichzeitig besteht weiterhin eine deutliche Diskrepanz zwischen politischem Anspruch und praktischer Ausgestaltung der Hilfen.
Aus unserer Sicht ist klar: Wenn Careleaver*innen eine reale Chance auf einen gelingenden Start ins eigenständige Leben haben sollen, braucht es verlässliche Strukturen, ausreichend Zeit für Begleitung und die Bereitschaft, auch in Vorleistung zu gehen.
Careleaving ist eine entscheidende Phase im Leben junger Menschen. Die Qualität der Unterstützung in diesem Übergang hat langfristige Auswirkungen – sowohl für die individuelle Lebensbiografie als auch für die Gesellschaft insgesamt.