Mehr als nur ein Kochabend: Gemeinschaft im Haus Meitner
Gruppenaktivitäten gehören im Haus Meitner zum Alltag. Fünf junge Menschen leben hier gemeinsam unter einem Dach und machen dabei dieselbe Erfahrung, die viele Menschen aus WGs kennen: Zusammenleben ist schön – aber nicht immer einfach.
Wer räumt die Küche auf? Wer bringt den Müll raus? Warum steht schon wieder Geschirr im Spülbecken? Solche Themen gehören zum Alltag jeder Wohngemeinschaft und werden auch bei uns regelmäßig in Gruppensitzungen besprochen. Dabei geht es nicht darum, Schuldige zu suchen, sondern gemeinsam Lösungen zu finden, Rücksicht aufeinander zu nehmen und Verantwortung für das Zusammenleben zu übernehmen.
Doch die Gruppensitzungen haben noch eine andere Seite.
Denn auf den offiziellen Teil folgt meistens etwas, worauf sich alle besonders freuen: unsere gemeinsame Gruppenaktivität.
Dieses Mal stand ein Kochabend auf dem Programm.
Eine Bewohnerin hatte im Internet ein Rezept für „Pulled BBQ Chicken Burger“ entdeckt und stellte ihre Idee in die Runde. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Zustimmendes Nicken, neugierige Blicke und schnell war klar: Das wollen wir ausprobieren.
Während ein Teil der Gruppe gemeinsam einkaufen ging, kümmerten sich die anderen noch um kleinere Aufgaben im Haus. Anschließend trafen sich alle wieder in der Küche.
Besonders schön war zu beobachten, wie schnell sich die Dynamik entwickelte. Die Bewohnerin, die das Rezept vorgeschlagen hatte, übernahm ganz selbstverständlich die Leitung des Abends. Aufgaben wurden verteilt, Zutaten vorbereitet und jeder fand seinen Platz im Team.
„Du schneidest die Tomaten, aber bitte nicht zu dick.“
„Kannst du schon mal die Brötchen vorbereiten?“
Innerhalb weniger Minuten entstand eine produktive und gleichzeitig entspannte Atmosphäre. Für uns als Fachkräfte sind solche Momente besonders wertvoll. Denn hier zeigt sich, wie junge Menschen Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und gemeinsam etwas schaffen können.
Nach etwa einer halben Stunde war es schließlich soweit.
Der Duft von gebratenem Hähnchen, Barbecue-Soße und frisch gerösteten Burger-Buns zog durch das gesamte Haus. Die Vorfreude stieg mit jeder Minute. Schnell wurden die Burger zusammengestellt und alle versammelten sich am Esstisch.
Der erste Bissen sorgte für allgemeine Begeisterung.
Das Rezept war ein voller Erfolg.
Doch eigentlich ging es an diesem Abend um weit mehr als gutes Essen.
Gemeinsames Kochen vermittelt wichtige Alltagskompetenzen. Planung, Einkauf, Teamarbeit, Hygiene, Zeitmanagement und Rücksichtnahme werden ganz nebenbei geübt. Gleichzeitig entstehen Gespräche, gemeinsame Erinnerungen und ein Gefühl von Gemeinschaft.
Gerade für Careleaver*innen sind solche Erfahrungen wertvoll. Viele haben in ihrem Leben Phasen erlebt, in denen Verlässlichkeit, Zugehörigkeit oder gemeinsame Familienmomente gefehlt haben. Gemeinsame Aktivitäten können diese Erfahrungen nicht ersetzen – aber sie schaffen positive Erlebnisse und stärken das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein.
Am Ende war der Abend ein voller Erfolg: Das Essen war hervorragend, die Stimmung ausgelassen und die Burger so gut, dass das Rezept sogar einige Wochen später noch einmal privat nachgekocht wurde.
Ein gelungener Abend im Haus Meitner – und ein schönes Beispiel dafür, dass Jugendhilfe oft in den kleinen Momenten stattfindet.